Stress in der Pflege und 5 Tipps dagegen!

Wir hören immer wieder, dass es nicht genug Pflegekräfte gibt, was das aber bedeutet und wie sich das auswirkt, können wir uns nicht so richtig vorstellen. Aus diesem Grund habe ich Frau Hiltbrunner, Pflegefachfrau, um ein Interview gebeten.

Guten Tag Frau Hiltbrunner,

danke, dass Sie sich Zeit genommen haben.

Sie haben sich bereit erklärt mit mir über das Thema „Stress bei der Arbeit“ zu sprechen.

Können Sie bitte beschrieben wieso es Ihnen ein Anliegen ist sich zu diesem Thema zu äußern?

Ich bin diplomierte Pflegefachfrau und arbeite in der Schweiz in einem Spital als Leiterin Pflegedienst. Das Thema Stress ist in der Pflege allgegenwärtig (siehe Antwort zur nächsten Frage), weshalb ich sehr gerne an diesem Interview teilnehme.

Was verursacht bei Ihnen im Krankenhaus Stress? Was bedeutet das konkret für Sie?

Personalmangel einerseits (Pflegende sind ein Mangelberuf) und andererseits der Spardruck, insbesondere auf die Stellenpläne der Pflege. Wir sind oft – zu oft – schlicht zu wenig Personal für die anfallende Arbeit. Wenn Stellen nicht besetzt sind oder gestrichen wurden, fängt das der Rest des Personals auf.

Ich bin von diesem Stress nicht direkt betroffen, aber

es ist meine Aufgabe, hier für die nötige Balance zu sorgen, dass meine Leute nicht „ausbrennen“.

Ich selbst habe eine andere Art von Stress.

Einerseits derjenige, wenn man einfach von einem Termin zum nächsten jagt und noch tausend Mails zu beantworten hätte und eigentlich auch schon längst nach Hause sollte (Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie).

hospital-736568 PixabayCom

Andererseits – und das ist der Stress, der für mich am schlimmsten ist- ist da der Stress, zum Beispiel einfach nicht das nötige Pflegepersonal zu finden, um alle Patienten zu versorgen und alle Schichten abzudecken. Mit diesem Stress steht man als Leiterin Pflegedienst ganz alleine da.

Wie gehen Sie und die Mitarbeiter damit um?

Sehr unterschiedlich.

  • Ich sensibilisiere meine Abteilungsleiterinnen immer sehr dafür, dass jede Mitarbeiterin bezüglich Stressanzeichen individuell beobachtet werden muss.

  • Wir greifen ein, wenn wir das Gefühl haben, dass es für eine Mitarbeiterin zuviel wird.

  • Grundsätzlich schauen wir natürlich dafür, Stress in ungesund hohem und anhaltendem Mass zu verhindern.

Ich selbst bin sehr viel besser darin, andere vor Stress zu schützen oder im Stress zu unterstützen, als mich selbst…. :-/

Wie erholen Sie sich von dem Stress bei der Arbeit?

Außerhalb der Arbeit;

Der wichtigste Faktor ist für mich wohl der Ausgleich mit Freizeit und Familie. Da komme ich immer wieder zur Ruhe.

Was würden Sie den Lesern empfehlen, die merken, dass sie gestresst sind?

  1. Unbedingt auf sich hören!

  2. Sich Pausen raus nehmen und wortwörtlich „zur Ruhe kommen“.

  3. Vorgesetzte informieren.

  4. Und Mut zur Lücke zeigen. Meist geschieht gar nicht so viel, wenn man etwas nicht erledigt.

  5. Und, auch immer wieder gut: Das Wichtige vor dem Dringenden tun.

Vielen Dank für das Interview Frau Hiltbrunner!

Kein Interview mehr verpassen!

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