Warum Sie auf sich und Ihren Stress achten sollten sowie 6 Tipps wie das besser gelingt!

Dieses Interview ist anders als die anderen Interviews, denn hier spricht eine Frau die kein Coach/ keine Beraterin ist. Sie ist eine Arbeitnehmerin die sich bereit erklärt hat uns einen Einblick in ihr Arbeitsleben zu geben.

Ich freue mich sehr über ihre Bereitschaft ihre ganz persönliche Geschichte mit uns zu teilen und ich bewundere ihren Mut sehr!

Aber lesen Sie selbst welche Auswirkungen Sparmaßnahmen, Zeitdruck und Dauerfrustration hatten.

burned-down-252232_1280 Streichholz von PixabayCom

Meine Interviewparnterin möchte aus nachvollziehbaren Gründen gerne unerkannt bleiben. Ich nenne sie daher hier Frau Anja K.

Guten Tag Frau K.,

schön, dass Sie dabei sind! Ich freue mich besonders, dass Sie bereit sind mir ein Interview über Ihren Stress bei der Arbeit zu geben und zu zeigen was das für Sie bedeutet.

Sie sind Sozialpädagogin und leiten seit mehr als 10 Jahren eine Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe sowie der Behindertenhilfe.

Können Sie bitte beschrieben wieso es Ihnen ein Anliegen ist sich zu „Stress bei der Arbeit“ zu äußern?

 

Als Sozialpädagogin in Leitungspositionen bin ich seit Jahren befasst mit zukunftsblinden Sparmaßnahmen in der Sozialpolitik, die unmittelbare Auswirkungen haben auf die Projekte, für die ich zuständig bin.

Ich war gezwungen, Menschen zu entlassen, weil Fördergelder entfielen und musste gleichzeitig dafür sorgen, dass die Qualität der Arbeit nicht abfiel… eher anstieg. Das kommt und kam einer Quadratur des Kreises nah.

Ich habe 20 Jahre lang behauptet, mit Leib und Seele Sozialpädagogin zu sein, war kämpferisch für die Klientel (Mädchen mit Gewalterfahrungen, Zwangsheirat, Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge…) und habe mich gerade kürzlich depressions- und erschöpfungsbedingt zu einem Berufswechsel entschlossen. …

Was verursacht bei Ihnen im Unternehmen Stress? Was bedeutet das konkret für Sie?

Finanzknappheit, 24stündige Aufsichtspflicht, Krisenintervention und Rufbereitschaft, Umstrukturierung und ein Organisationsentwicklungsprozess nach der Fusion zweier Träger zu einem großen Träger, Vielschichtigkeit von Themen, Qualitätsentwicklungsprozesse vs. Betreuungsrealität, Partizipationsanspruch, Ausstieg aus der Tarifbindung, Projektbewilligungen die zu befristeten Arbeitsverträgen führen, anderssprachige KlientInnen im Betreuungsalltag, MitarbeiterInnen die aus politischen Gründen das Leitungsmodell ablehnen.

Die Stressbelastung bei Ihrem Arbeitgeber war also sehr vielschichtig und komplex. Was bedeutete das für Sie?

 

Für mich bedeutet das das schnelle jonglieren mit verschiedensten Anforderungen innerhalb kürzester Zeit, ein wahnsinnig vielschichtiges Anforderungsprofil als Regionalleiterin. Hinzu kam die 24 stündige Erreichbarkeitsnotwendigkeit (ohne selbstverständlich Vergütung dafür), Kriseneinsätze auch in der Nacht und an Wochenenden, das Transportieren von Einsparungsnotwendigkeiten in die Teams und Dauerfrustration.

Was haben Sie getan um bei Ihren MitarbeiterInnen den Stress bei der Arbeit so gering wie möglich zu halten?

Ein partizipativer Führungsstil braucht viel Zeit, die leider durch die Überlastung und das Stellenprofil nicht gegeben ist. Dennoch setzte ich auf Transparenz in alle Richtungen. Die MitarbeiterInnen sind in Arbeitsgruppen organisiert und gestalten Prozesse mit.

Wie erholen Sie sich von dem Stress bei der Arbeit?

Leider ist mir das nicht sehr gut gelungen.

Welche Folgen hatte das für Sie?

Mein Blick wurde über die Jahre immer defizitorientierter statt (wie es hilfreich wäre) ressourcenorientiert.

Ich habe eine Burnoutbehandlung auf verhaltenstherapeutischer Basis (10 Gruppensitzungen kostenträger KK) gemacht und bin seit mehr als einem Jahr krankgeschrieben.

Eine medizinische Reha hatte zum Ergebnis, dass eine berufliche Reha (umgangssprachlich Umschulung) angezeigt ist.

In den Behandlungen habe ich viel über Atemtechnik, Entspannungsmethoden etc. gelernt und setze diese jetzt um.

 

Mit wem haben Sie über „Stress bei der Arbeit“ und „Burnout“ gesprochen?

Ich habe versucht, das Thema aus meiner Beziehung herauszuhalten bzw. es dort eher wenig zu thematisieren, weil ich nicht wollte, dass die Arbeit auch noch das Privatleben bestimmt. Zu Hause sollte der Schonraum sein.

Gesprochen habe ich mit Freundinnen, einer Verhaltenstherapeutin, einer Rehaberaterin, einer Neurologin, dem Betriebsrat und der Arbeitsagentur.

Was würden Sie den Lesern empfehlen, die merken, dass sie gestresst sind?

  1. Durchhalten ist nicht immer die beste Parole!

  2. Kleine Atempausen in den Alltag einbauen, aus dem Fenster sehen, den Blick entspannen!

  3. Auf das Bauchgefühl hören!

  4. Mut zu Veränderungsentscheidungen haben, auch wenn sie finanzielle Einbußen zur Folge haben!

  5. Sich fragen, woher der innere Motor kommt, der uns antreibt!

  6. Sich an eigenen Werten statt an Leistungsbildern orientieren!

Haben Sie Links zu Büchern oder Webseiten die Ihnen auf Ihrem Weg geholfen haben?

http://workisnotajob.com/de/buch

http://www.randomhouse.de/Paperback/Raus-aus-der-Gluecksfalle/Russ-Harris/e447000.rhd

http://www.aussteigen-umsteigen.ch/

Vielen vielen Dank Frau K., für Ihre Offenheit!!!

Wollen Sie wissen wie hoch Ihr Stresspegel ist? Machen Sie hier den Test!

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